Echte Überlebenskünstler
Sempervivum, auch Haus- oder Dachwurze genannt, sind wahre Überlebenskünstler. Der lateinische Name bedeutet "immer lebend" - was schon erahnen lässt, wie gut sich die Pflanze auch unter schwierigen Bedingungen behaupten kann. Und in der Tat: Dachwurze benötigen wenig Wasser, kaum Nährstoffe und wenig Substrat.

Nur durchlässig sollte letzteres sein, denn Staunässe mögen die ansonsten sehr winterharten Stauden überhaupt nicht. Die sonnenliebende Staude kommt auch während des dreiwöchigen Sommerurlaubs ohne Pflege aus. Immer wieder aus Neue fasziniert mich die perfekte Symmetrie und Eleganz dieser Pflanze.
Einen Platz an der Sonne dankt Sempervivum mit herrlichen Farben: Neben den frisch-grünen Sorten gibt es warm wirkende rote (bis fast schwarze), gelbe, orange, braune sowie kühl wirkende blaue, lilane, rosane und graue Zuchtformen. Ganz besonders schön: Die nachstehende "Dr. Fritz Köhlein", die zurecht von der Fachgruppe der Sempervivumfreunde zur "Semps des Jahres 2009" gekürt wurde.

Und selbst die Rosetten ein und derselben Sorte wechseln im Laufe des Jahres teilweise sehr stark ihr Aussehen, so dass das Beobachten der Pflanzen einen immer wieder neue Facetten und Details entdecken lässt. Schön zu sehen hier am Beispiel der Sorte "Americanos": Das erste Bild zeigt die Pflanze im Winter ...
... dann Mitte März ...
.. und nur zwei Wochen später Anfang April ...

... Anfang Mai ist die Pflanze dann tief dunkelrot und hat deutlich Kindel angesetzt ...

Aber Vorsicht: Gerade diese Vielfalt macht Sempervivum so verführerisch und endet nicht selten in einer ausgeprägten und kaum zu kurierenden Sammelleidenschaft. Rund 4.500 verschiedene Zuchtformen soll es von Sempervivum geben; im GRÜNZEUX-Garten können Sie knapp 600 davon genauer ins Auge fassen.

Aber nicht nur die unendliche Formen- und Farbenvielfalt sind interessant, auch die Fortpflanzung der Hauswurze ist ausgesprochen spannend. Zum einen vermehren sie sich generativ über Blüten und Samen. Sehr viele Natur- und Zuchtformen blühen rosa, einige gelb und wenige weiß - wie z.B. die nachstehend abgebildete "Pacific Sexy".

Bei der generativen Fortpflanzung entstehen viele Zufallsprodukte, denn die Art kreuzt sich gerne untereinander. Den Züchter freut's - so entstehen immer wieder neue Hauswurze durch gezielte Kreuzung bestimmter Eltern-Wurze. Die zweite Form ist die vegetative Vermehrung: Im Frühjahr bilden sich an der Basis der Mutterrosette sogenannte "Kindel" - dank dieser erhalten die Hauswurze recht einfach sortenechten Nachwuchs.
Im Bild "Mrs. Giuseppii" mit unter den Blättern hervorschauenden Kindeln. Manchmal, wie hier bei "Rubin" ...
... schieben sich die Kindel auch aus den mittleren Blattachsen. Und wieder anders der Nachwuchs von Jovibarba arenaria...

...hier hängen die Kindel nur an einem dünnen Faden und kullern schon bald auf das benachbarte Substrat. Sehr schnell bilden sie dort neue Wurzeln.
Für die flächendeckende Bepflanzung eignen sich besonders Spinnweb-Hauswurze (Sempervivum arachnoideum und ihre Zuchtformen), da diese i. d. R. recht schnell Matten bilden. Wie z. B. bei "Shampoo" sind die Rosetten sind mit einem feinen Flaum aus "Spinnenweben" überzogen.
Fast schon ein bisschen unwirklich sieht dagegen "Plastic" aus. Die Blätter dieser hübschen grünen Sorte sind prall und fleischig und wirken fast ein wenig, ja, eben wie Plastik.

Man merkt: Je genauer man sich mit den verschiedenen Sorten und Formen beschäftigt, umso mehr Details und Feinheiten sind zu entdecken.
Kombiniert mit verschiedenen Sedum-Arten (Mauerpfeffer) sowie kleinen Polsterstauden (z.B. Nelken, Steinbrech oder Thymian) lassen sich Hauswurze hervorragend in Trögen, Gefäßen und vielen nicht ganz alltäglichen Pflanzgegenständen verwenden.
"Es besteht keine Gefahr, dass die Arbeit im Garten allzu gering wird."
Karl Foerster (1874-1979)