Echte Überlebenskünstler

Sempervivum, auch Haus- oder Dachwurze genannt, sind wahre Überlebenskünstler. Der lateinische Name bedeutet "immer lebend" - was schon erahnen lässt, wie gut sich die Pflanze auch unter schwierigen Bedingungen behaupten kann. Und in der Tat: Dachwurze benötigen wenig Wasser, kaum Nährstoffe und wenig Substrat. Nur durchlässig sollte letzteres sein, denn Staunässe mögen die ansonsten sehr winterharten Sukkulenten überhaupt nicht. Die sonnenliebende Staude kommt auch während des dreiwöchigen Sommerurlaubs ohne Pflege aus. Immer wieder aus Neue fasziniert mich die perfekte Symmetrie und Eleganz dieser Pflanze.

 

Einen Platz an der Sonne dankt Sempervivum mit herrlichen Farben: Neben den frisch-grünen Sorten gibt es warm wirkende rote (bis fast schwarze), gelbe, orange, braune sowie kühl wirkende blaue, lilane, rosane und graue Zuchtformen. Aber nicht alle Sorten zeigen im Laufe des Jahres das gleiche Bild. Manche wechseln sogar ihr Aussehen komplett, so dass das Beobachten der Pflanzen einen immer wieder neue Facetten und Details entdecken lässt.

 

Aber Vorsicht: Gerade diese Vielfalt macht Sempervivum so verführerisch und endet nicht selten in einer ausgeprägten und kaum zu kurierenden Sammelleidenschaft. Rund 4.500 verschiedene Zuchtformen soll es von Sempervivum geben; im GRÜNZEUX-Garten können Sie rund 300 davon genauer ins Auge fassen.

 

Aber nicht nur die unendliche Formen- und Farbenvielfalt sind interessant, auch die Fortpflanzung der Hauswurze ist ausgesprochen spannend. Zum einen vermehren sie sich generativ über Blüten und Samen. Im Juni und Juli schieben sie imposante Blütenstände hervor. Die jeweils blühende Rosette stirbt nach der Blüte ab. Bei der generativen Fortpflanzung durch Samen entstehen viele Zufallsprodukte, denn die Art kreuzt sich gerne untereinander. Den Züchter freut's - so entstehen immer wieder neue Hauswurze durch gezielte Kreuzung bestimmter Eltern-Wurze.

 

Die zweite Form ist die vegetative Vermehrung: an der Basis der Mutterrosette bilden sich  sogenannte "Kindel" - dank dieser erhalten die Hauswurze recht einfach sortenechten Nachwuchs. Im Frühjahr bilden sich so unter den äußeren Rosettenblättern kleine Knöpfe, die recht schnell zu neuen kleinen Rosetten heranwachsen. Bei den kleinen Jupiterbärten (Jovibarba arenaria, Jovibarba hirta etc.) hängen die Kindel nur an einem dünnen Faden und kullern schon bald auf das benachbarte Substrat. Sehr schnell bilden sie dort neue Wurzeln. Noch einmal anders verhält es sich bei Jovibarba heuffelii, dem Fransenhauswurz: Hier bilden sich die neuen Kindel aus der Basis der Mutterpflanze. Die sich neu bildenden Rosetten entspringen dem Wurzelstock, für die Vermehrung ist deswegen eine Teilung der Mutterpflanze notwendig.

 

Für die flächendeckende Bepflanzung eignen sich besonders Spinnweb-Hauswurze (Sempervivum arachnoideum und ihre Zuchtformen), da diese in der Regel recht schnell Matten bilden. Bei den kleinen Spinnern sind die Rosetten mit einem feinen Flaum aus "Spinnenweben" überzogen.

 

Man merkt: Je genauer man sich mit den verschiedenen Sorten und Formen beschäftigt, umso mehr Details und Feinheiten sind zu entdecken. Kombiniert mit verschiedenen Sedum-Arten (Mauerpfeffer) sowie kleinen Polsterstauden (z.B. Nelken, Steinbrech oder Thymian) lassen sich Hauswurze hervorragend in Trögen, Gefäßen und vielen nicht ganz alltäglichen Pflanzgegenständen verwenden.